FLAY - Schwule und Lesben Liechtenstein und Rheintal


schwul-lesbisch vorreiter in liechtenstein: flay.

schwul-lesbisch vorreiter in liechtenstein: flay.

Schaan. – Im November 2009 hat die schwul-lesbische Initiative FLAY - Schwule und Lesben Liechtenstein und Rheintal den “Demograzia”-Preis für Zivilcorage bekommen. FLAY nahm die Auszeichnung mit diesem schlichten Satz entgegen: “Der Preis hält das Feuer am Leben, aufrecht durchs Leben zu gehen.” Es trifft das Engagement der Gruppe. Offen schwul oder lesbisch zu leben, ist im Fürstentum Liechtenstein nach wie vor nicht einfach.

Von Wolfgang Frey

Seit der Gründung des Vereins FLAY 1998 hat sich dank des Engagements der Gruppe allerdings schon vieles verändert. So viel, dass im Winter 2008 mit Unterstützung aus der Zürcher Schwulenszene in der Disco Beat in Schaan die erste grosse schwul-lesbische Party in Liechtenstein steigen konnte. Ohne Zwischenfälle. Das war in der Anfangszeit noch ganz anders. Das erste Interview in einer Landeszeitung gaben die Vertreter von FLAY, Sandra Koretic und Patrick Risch, noch unter Pseudonym. Der Schwulenparagraph im Strafrecht war noch kein zehn Jahre abgeschafft, bis 1989 drohte schwulen Paaren noch die Kerkerstrafe. Bis 2001 stand noch das Vereins- und das Werbeverbot im Strafgesetzbuch.

interview unter pseudonym: der langjährige flay-präsident patrick risch.

interview unter pseudonym: der langjährige flay-präsident patrick risch.

“Eigentlich verboten”
Ein Auszug aus einem Artikel der Landeszeitung “Liechtensteiner Vaterland” zur Diskussion um das sexuelle Schutzalter für Jugendliche aus dem Jahr 1999 macht die bizarre Situation deutlich: “Auf Anfrage der Regierung hat die Liechtensteiner Organisation Flay eine Stellungnahme zum Gesetzesentwurf abgegeben. Der Homosexuellen-Verein, der eigentlich im Land verboten ist, zeigt sich darin sehr zufrieden. ‘Viele wissen wohl gar nicht, dass ein solches Gesetz existiert, das unseren Verein verbietet’, erklärt der Präsident. Die Organisation, die aus der Aids-Hilfe Liechtenstein entstanden ist und inzwischen Mitglied beim Schweizer Schwulendachverband ‘Pink Cross’ und Lesbenverband ‘LOS’ ist, rechnet aber auf Grund der Gesetzesänderung nicht mit einem starken Zulauf an Mitgliedern. Die gesellschaftliche Situation halte heute in Liechtenstein eher Homosexuelle von ihrem ‘Coming Out’ ab als das Strafrecht.”

erste grosse party: Winter 2008.

erste grosse party: Winter 2008.

Ein Stand beim Fürstenfest
Im Jahr 2001, nach der Abschaffung der strafrechtlichen Diskriminierungen, wurde erstmals eine parlamentarische Initiative für eine Eingetragene Partnerschaft gestartet - die Regierung lehnte den Vorstoss damals allerdings noch ab. Im selben Jahr war FLAY beim Fürstenfest, dem Staatsfeiertag, mit einem eigenen Stand präsent. Verkauft wurden gebratene Maiskolben. In den Landeszeitungen erschienen neben den Berichten über Aktionen von FLAY zum Coming-Out-Tag auch zunehmend Geschichten über das Leben von Schwulen und Lesben im Land. FLAY zählte damals 30 Mitglieder, die sich wöchentlich trafen. “Das oft belächelte Engagement der Mitglieder ist unter anderem mit viel Mühe verbunden - sie setzen sich dafür ein, dass es in unserer Region einen Ort gibt, an dem ein homosexueller Mensch als solcher akzeptiert wird und über seine Sorgen sowie Freuden reden kann”, zitierte das “Vaterland” Patrick Risch.

Tagesordnungspunkt drei
Ein historischer Tag in der FLAY-Geschichte sollte der 25. September 2007 werden. Als dritter Punkt stand an diesem Tag erneut eine Motion der Freien Liste für eine Eingetragene Partnerschaft auf der Tagesordnung der Landtagssitzung. Der Abgeordnete Pepo Frick sagte ausweislich des Protokolls: “Guten Morgen. Die Motion der Freien Liste lautet: ‘Die Regierung wird beauftragt, eine Gesetzesvorlage betreffend die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Partner zu erarbeiten und diese dem Landtag vorzulegen. Die Gesetzesvorlage soll die rechtlichen Diskriminierungen von gleichgeschlechtlichen Paaren beseitigen und für sie die Möglichkeit schaffen, ihre Beziehung rechtlich abzusichern’. Die Motion wurde vom Landtag angenommen. Noch ist die Partnerschaft allerdings nicht realisiert.

http://www.tuckenalarm.com/wp-content/uploads/2008/10/ds_fl.jpg

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Zusammenleben ja, adoptieren nein
Wenige Monate später äusserte sich Landesfürst Fürst Hans-Adam II. im traditionellen Neujahrsinterview auf “Radio Liechtenstein” zur Eingetragenen Partnerschaft. “Wenn zwei Gleichgeschlechtliche zusammen leben wollen und die Absicht haben, sich in Erbverträgen oder anderswie gegenseitig zu begünstigen, bitte.” Teilweise sei dies ja heute schon möglich. Eine Grenze müsse aber unbedingt bei der Adoption gezogen werden. “Hier müssen wir wirklich an den Schutz des Kindes denken und mögliche Missbräuche verhindern. Kinder sollten die Möglichkeit haben, in einer normalen Familie aufwachsen zu dürfen.”

Viele Vorurteile
Dass Schwule und Lesben in Liechtenstein nach wie vor einen schweren Stand haben, zeigten Ende 2007 die Ergebnisse einer von der Regierung in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studie. Das “Vaterland” brachte die Ergebnisse damals so auf den Punkt: “41 Prozent der liechtensteinischen Bevölkerung geben an, von schwulen und lesbischen Menschen weniger zu halten. Jeder vierte glaubt sogar, Homosexualität sei ein Zeichen des persönlichen Versagens. Die Diskriminierung ist deutlich.”

Zur Landtagswahl im Februar 2009 gab es eine weitere Premiere: Zwei offen schwule Männer bewarben sich um ein Landtagsmandat. Patrick Risch kandidierte für die Freie Liste, sein Nachfolger als FLAY-Präsident, Daniel Seger, für die Fortschrittliche Bürgerpartei. Beide errangen allerdings keinen Sitz.

Spiessrutenlaufen vor Preisverleihung
Die Monate vor der Verleihung des “Demograzia-Preises” gerieten anschliessend zum öffentlichen Spiessrutenlaufen. Während eine Arbeitsgruppe der Regierung um das Gesetz für eine eingetragene Partnerschaft rang, häuften sich homophobe Leserbriefe in den Landeszeitungen und Plakate einer Regierungskampagne, die um Respekt für Schwule und Lesben warb, wurden mit homophoben Parolen besprüht. “Aufrecht durchs Leben zu gehen” bleibt für Schwule und Lesben in Liechtenstein immer noch schwierig. Zugleich, findet FLAY, zeigt der “Demograzia”-Preis, “dass es Wert ist zu sich zu stehen und auch gemeinsam an etwas zu arbeiten”.

Mehr über FLAY und allfällige Aktionen oder Termine findest du auf der Internetseite http://www.flay.li/

von tuckenalarm, 21.11.2009,








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